Wir folgen dem Trend, um am Aktienmarkt zu gewinnen.

Warum Trendfolge bei Aktien und Aktien-ETFs plausibel ist,
die wissenschaftlichen Grundlagen nach Simon und Lo

Trendfolge bei Aktien und Aktien-ETFs ist eine regelbasierte Investmentstrategie, die versucht, an anhaltenden Kursbewegungen teilzunehmen. Anleger kaufen oder halten Aktien und Aktien-ETFs mit einem erkennbaren Aufwärtstrend und steigen aus, wenn festgelegte Trendbedingungen nicht mehr erfüllt sind. Doch warum sollten Aktienkurse und Aktienindizes überhaupt Trends bilden? Die Arbeiten von Herbert A. Simon und Andrew W. Lo liefern dafür einen theoretischen Erklärungsrahmen: Menschen verarbeiten Informationen nur begrenzt und passen ihre Entscheidungen schrittweise an veränderte Bedingungen an.

Herbert Simon: Anleger entscheiden begrenzt rational

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Herbert A. Simon beschreibt in A Behavioral Model of Rational Choice (1955), weshalb Menschen nicht jederzeit optimal entscheiden können. Ihnen fehlen vollständige Informationen, unbegrenzte Zeit und die Fähigkeit, sämtliche Alternativen durchzurechnen. Dieses Konzept bezeichnet man als begrenzte Rationalität, auf Englisch „bounded rationality“.

Menschen verwenden deshalb vereinfachte Entscheidungsregeln und wählen Lösungen, die ihre Ansprüche ausreichend erfüllen. Dieses Prinzip heißt „Satisficing“. [1] Auf die Aktienanlage übertragen bedeutet das: Anleger bewerten Informationen mit unterschiedlichen Kenntnissen, Erfahrungen und Routinen. Eine neue Unternehmensmeldung muss deshalb nicht bei allen Marktteilnehmern gleichzeitig dieselbe Entscheidung auslösen.

Andrew Lo: Finanzmärkte verändern sich durch Anpassung

Andrew W. Lo verbindet Simons Überlegungen mit evolutionären Prinzipien. In seiner Adaptive Markets Hypothesis beschreibt er Finanzmärkte als veränderliche Ökosysteme. Anleger lernen aus Erfolgen und Fehlern, konkurrieren um Gewinnmöglichkeiten und passen ihre Strategien an. [2]

Wie effizient ein Markt Informationen verarbeitet, hängt dabei von seinen Bedingungen und Teilnehmern ab. Erfolgreiche Strategien können durch wachsenden Wettbewerb an Attraktivität verlieren. Veränderungen schaffen wiederum neue Chancen. Für eine Trendfolgestrategie bedeutet diese Sichtweise: Ihre Erfolgsaussichten können sich zwischen Marktphasen deutlich unterscheiden.

Wie begrenzte Rationalität Aktientrends erklären kann

Aus diesen Ansätzen lässt sich eine mögliche Erklärung für anhaltende Kurstrends ableiten. Verbessern sich beispielsweise die Geschäftsaussichten eines Unternehmens, reagieren manche Anleger früh. Andere überprüfen ihre Einschätzung später und kaufen erst nach weiteren positiven Nachrichten. Zeitversetzte Kaufentscheidungen können eine Aufwärtsbewegung unterstützen.

Einen solchen Zusammenhang untersuchen Harrison Hong und Jeremy C. Stein in ihrem theoretischen Modell zu Unterreaktion, Momentum und Überreaktion. Begrenzte Informationsverarbeitung kann dort dazu führen, dass Kurse neue Informationen zunächst unvollständig widerspiegeln. Trendfolgende Marktteilnehmer können davon profitieren, zugleich aber spätere Übertreibungen verstärken. [3]

Damit besteht eine theoretische Verbindung zwischen begrenzter Rationalität und Trendfolge. Daraus folgt allerdings nicht, dass jede Kursbewegung anhält oder zuverlässig handelbar ist.

Trendfolgestrategie: Klare Regeln für Kauf und Verkauf

Eine systematische Trendfolgestrategie orientiert sich beispielsweise an gleitenden Durchschnitten oder dem Überschreiten bisheriger Kurshochs. Sie versucht, bestehende Aufwärtstrends zu erkennen und Positionen entsprechend festgelegter Regeln zu führen.

Ein überschaubares Regelwerk berücksichtigt zugleich die Grenzen menschlicher Entscheidungen. Vorab definierte Ausstiegssignale können helfen, verlustreiche Aktien weniger abhängig von Hoffnung oder spontanen Einschätzungen zu halten. Diese Anwendung ist eine praktische Ableitung aus Simons Ansatz; Simon selbst hat damit keine Überlegenheit der Trendfolge nachgewiesen.

Chancen und Grenzen der Trendfolge bei Aktien und Aktien-ETFs

Trendfolge benötigt ausreichend anhaltende Kursbewegungen. In Seitwärtsmärkten können wiederholte Fehlsignale und Handelskosten entstehen. Bei abrupten Trendwechseln reagieren Signale möglicherweise erst nach erheblichen Kursverlusten. Streuung, angemessene Positionsgrößen und Risikobegrenzung sind deshalb wichtige Bestandteile der Umsetzung.

Die Arbeiten von Simon und Lo begründen, weshalb Trendfolge bei Aktien und Aktien-ETFs plausibel sein kann. Ob eine konkrete Strategie nach Kosten einen belastbaren Vorteil bietet, muss jedoch anhand historischer Daten, unabhängiger Testzeiträume und unterschiedlicher Marktphasen geprüft werden.

Wissenschaftliche Quellen

[1] Herbert A. Simon (1955): A Behavioral Model of Rational Choice. The Quarterly Journal of Economics, 69(1), S. 99–118.

[2] Andrew W. Lo (2004): The Adaptive Markets Hypothesis: Market Efficiency from an Evolutionary Perspective. The Journal of Portfolio Management, 30(5), S. 15–29.

[3] Harrison Hong und Jeremy C. Stein (1999): A Unified Theory of Underreaction, Momentum Trading, and Overreaction in Asset Markets. The Journal of Finance, 54(6), S. 2143–2184.

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